Lebenswege –
Gemeinsam mit Lehrkräften und Gästen blickten die Schülerinnen und Schüler auf ihre gemeinsame Schulzeit zurück und feierten einen wichtigen Meilenstein auf ihrem weiteren Bildungs- und Lebensweg. Besonders erfreulich war, dass alle Absolventinnen und Absolventen den mittleren Schulabschluss (FOR bzw. FORQ) erreichten. Herausragende Leistungen zeigten dabei Lea W., Lea-Sophie M. und Moritz K., die als Jahrgangsbeste ausgezeichnet wurden. In ihrer Abschlussrede gab die kommissarische Schulleiterin Doreen Ritter den Jugendlichen den Gedanken eines „inneren Kompasses“ mit auf den Weg – eines Wertefundaments, das sie gemeinsam mit ihren Eltern und Lehrkräften entwickelt haben und das ihnen Orientierung für ihren weiteren Lebensweg geben soll. Zweiundachtzig Schülerinnen und Schüler führt dieser Weg in die gymnasiale Oberstufe der GSP, während 45 Absolventinnen und Absolventen eine Berufsausbildung oder sich für eine Schullaufbahn an einer anderen weiterführenden Schule beworben haben.
Liebe Schülerinnen und Schüler,
sehr geehrte Eltern,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Gäste,es gibt Momente im Leben, die sich wie ein Ende anfühlen. Heute ist so ein Moment. Ihr haltet gleich euer Abschlusszeugnis in den Händen. Manche von euch verlassen unsere Schule, andere werden im nächsten Schuljahr wieder durch dieselben Flure laufen. Und trotzdem endet heute für euch alle ein wichtiger Lebensabschnitt.
Doch eigentlich ist dieser Tag gar kein Ende. Er ist vielmehr der Moment, an dem ihr beginnt, den Kurs eurer Lebensreise selbst zu bestimmen.
Für diese Reise könnt ihr nicht einfach Google Maps öffnen, damit die App die schnellste Route zum Ziel berechnet, euch vor Hindernissen und Staus warnt oder euch genau sagt, wann ihr ankommen werdet.
Denn … für das Leben gibt es kein Google Maps.
Niemand kann euch sagen, welchen Weg ihr einschlagen sollt. Niemand weiß, welche Entscheidung euch glücklich macht. Niemand kann euch den schnellsten Weg zu einem erfüllten Leben berechnen.
Google Maps zeigt euch verschiedene Wege von A nach B. Welcher Weg euch jedoch zu euren Zielen, Wünschen und Vorstellungen führt, kann euch keine App der Welt sagen. Dafür braucht ihr etwas anderes – einen Kompass.Ein Kompass ist ein erstaunliches Instrument. Er kennt weder das Ziel noch den Weg dorthin. Er weiß nicht, ob vor euch ein Berg liegt oder ein Fluss. Er kennt keine Abkürzungen. Und trotzdem verlassen sich seit Jahrhunderten Menschen auf ihn. Warum? Weil er ihnen etwas gibt, das viel wichtiger ist als der schnellste Weg: Orientierung. Genau diese Orientierung ist das, was wir den inneren Kompass nennen.
In den vergangenen vier Jahren habt ihr viel gelernt. Natürlich Formeln, Vokabeln und Gedichtinterpretationen. Ihr habt Klassenarbeiten geschrieben, Referate gehalten und wahrscheinlich öfter auf die Uhr geschaut, als euch lieb war.
Doch wenn wir ehrlich sind, sind das gar nicht die wichtigsten Dinge, die ihr gelernt habt.
Ihr habt gelernt, Verantwortung zu übernehmen – für euch selbst und manchmal auch füreinander.
Ihr habt gelernt, dass Freundschaften manchmal fürs Leben halten und manchmal eben nicht.
Ihr habt gelernt, dass Erfolg selten vom Talent allein abhängt, sondern oft davon, ob man nach einem Rückschlag wieder aufsteht.
Und ihr habt gelernt, dass man nicht immer recht haben muss, um etwas Wichtiges zu lernen.
All diese Erfahrungen sind keine Unterrichtsfächer. Sie bilden euren inneren Kompass.
Ein Kompass zeigt immer nach Norden. Auch jeder Mensch braucht einen Norden, nicht als Ort auf einer Karte, sondern als Antwort auf Fragen wie: Wofür möchte ich stehen?
Möchte ich ehrlich sein? Möchte ich Verantwortung übernehmen? Möchte ich mutig handeln? Möchte ich jemand sein, auf den andere sich verlassen können?
Es ist wichtig, auf diese Fragen eine Antwort zu finden. Denn wer weiß, wofür er steht, verliert auch in schwierigen Zeiten nicht so leicht die Orientierung. Er kann sich auf seinen inneren Kompass verlassen.
Natürlich wäre es schön, wenn euch euer Kompass immer auf direktem Weg ans Ziel führen würde. Aber so wird es nicht sein.
Manche von euch werden feststellen, dass die gewählte Ausbildung doch nicht die richtige ist. Andere wechseln vielleicht noch einmal den Studien- oder Berufsweg. Manche werden scheitern. Und fast alle werden irgendwann Entscheidungen treffen, die sie später bereuen. Das gehört zum Leben.
Euer Kompass verhindert nicht, dass ihr euch verirrt. Er hilft aber dabei, wieder die Richtung zu finden. Habt keine Angst davor, Fehler zu machen. Habt vielmehr Angst davor, euch von ihnen entmutigen zu lassen. Denn ein Kompass kann seine Richtung nur zeigen, wenn jemand den Mut hat, loszugehen.
Liebe Eltern,Sie waren die ersten Begleiter Ihrer Kinder. Sie haben Mut gemacht, getröstet, motiviert, Fahrdienste übernommen, Hausaufgaben begleitet und wahrscheinlich mehr Diskussionen über Schule geführt, als Ihnen manchmal lieb war.
Heute dürfen Sie stolz sein, dass Sie bei der Ausrichtung des Kompasses Ihres Kindes mitgeholfen haben, denn diese entsteht nicht von allein. So wie die Magnetnadel ihre Richtung erst durch viele Einflüsse erhält, entwickelt auch ein Mensch Orientierung und Werte durch die auf ihn einwirkenden Einflüsse. Einen besonders großen Anteil daran hatten Sie als Eltern.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Schule besteht aus weit mehr als Unterricht. Sie haben dazu beigetragen, dass aus Wissen Orientierung werden konnte. Sie haben erklärt, wiederholt, motiviert, zugehört, Konflikte gelöst, mussten manchmal streng sein und sind oft einfach nur da gewesen.
Sie haben Ihre Schülerinnen und Schüler ein Stück ihres Lebens begleitet. Dafür möchte ich Ihnen herzlich danken.
Liebe Absolventinnen und Absolventen,
ich wünsche euch nicht, dass euer Weg immer einfach sein wird.
Ich wünsche euch nicht, dass ihr niemals scheitert. Denn wer nie scheitert, hat sich wahrscheinlich nie etwas zugetraut.
Ich wünsche euch vielmehr einen guten Kompass.
Einen Kompass, der euch zeigt, was richtig ist, auch wenn es unbequem wird. Der euch daran erinnert, freundlich zu bleiben, wenn andere unfreundlich sind. Der euch den Mut gibt, Verantwortung zu übernehmen. Und der euch hilft, euren eigenen Weg zu gehen – auch dann, wenn viele andere in eine andere Richtung laufen. Denn am Ende werdet ihr nicht daran gemessen, ob ihr den bequemsten Weg gewählt habt. Sondern daran, ob ihr euren Weg mit Überzeugung, mit Haltung und mit Menschlichkeit gegangen seid.
Und wenn ihr eines Tages zurückblickt, dann hoffe ich, dass ihr sagen könnt: Ich habe mich nicht von jedem Trend treiben lassen. Ich habe mich nicht von jedem Gegenwind verunsichern lassen. Denn ich habe meinen Kompass nie verloren.
In diesem Sinne wünsche ich euch von Herzen Glück, Gesundheit und Menschen an eurer Seite, die euch stärken, wenn ihr zweifelt, und mit euch feiern, wenn ihr eure Ziele erreicht.
Herzlichen Glückwunsch zu eurem Abschluss. Geht euren Weg, mit Mut, mit Haltung und mit eurem Kompass als verlässlichem Begleiter.
Gender-Hinweis:
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit haben wir eine gendergerechte Form von Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern gewählt. Wir möchten darauf hinweisen, dass dies aus rein redaktionellen Gründen geschieht und keinerlei Wertung beinhaltet. Selbstverständlich beziehen sich die Angaben auf alle Geschlechter.
